Liebstöckel

 

Levisticum officinale finden wir im Volksmund noch unter den Bezeichnungen Maggikraut, Selleriekraut, Badkraut, Bärmutter, Bergliebstöckel, Gebärmutterkraut, Gebärmutterwurzel, Gichtstock, Gichtwurz, Labstock, Labstockwurzel, Laubstecken, Leberstockwurzel, Liebesröhre, Liebstengel, Luststecken, Nervenkraut, Saukraut, Schluckwehrohr, Suppenlaub, Wasserkräutel und viele mehr.

Liebstöckel ist ein sehr altes Heil- und Würzkraut. Bereits im 1. Jahrundert wurde es in alten Kräuterbüchern wie Materia Medica oder im Liber de cultura hortum aus dem 8. Jahrhundert erwähnt.

Liebstöckel wurde im Altertum durch Dioskurides – einem griechischen Arzt – nachgesagt, dass es sich dabei um eine Art Liebespflanze handeln soll, die zu unkeuschen Gelüsten verhelfen soll.

Hildegard von Bingen hat zu ihrer Zeit die heilende Wirkung bei Lungenschmerzen und Wassersucht empfohlen. Bis in unsere Zeit hinein wird Liebstöckel in der Naturheilkunde bei Wassersucht verwendet. Doch Liebstöckel kann noch mehr.

Als Wildkraut finden wir Liebstöckel meist in wärmeren Regionen wie z.B. Persion, seiner Heimat – in unseren Breitengraten wird Liebstöckel im Garten kultiviert. Ich habe meinen Liebstöckel in einem Blumentopf auf dem Balkon ausgepflanzt und freue mich immer wieder an dieser unkomplizierten Pflanze.

Anbau und Pflege

Liebstöckel ist winterhart und bevorzugt nährstoffreichen feuchten Boden an einem sonnigen Standort. Der Wurzelstock sollte nicht austrocknen – Staunässe ist ebenfalls zu vermeiden. Liebstöckel wächst sehr schnell und kann eine Höhe bis zu 2 m und einem Durchmesser von ca. 1,50m erreichen. In Punkto Pflege ist Liebstöckel jedoch sehr anspruchslos. Wenn man das ganze Jahr über die aromatischen Blätter ernten möchte, sollte darauf geachtet werden, dass es zu keiner Blütenbildung kommt. Sollte es vorkommen, dass Liebstöckel seine gelben Doldenblüten ( Juli bis Septemeber) entwickelt, können die daraus entstehenden Samen getrocknet und als Gewürz verwendet werden.

Verwendete Pflanzenteile

Blätter als Gewürz frisch, eingefroren und getrocknet. Wurzeln und Samen werden dagegen getrocknet in der Heilkunde und als Gewürz verwendet.

Zum Einfrieren die jungen Blätter waschen, trockenschütteln und locker in Gefrierbeutel oder -Dosen füllen, so kann man im Winter die jeweilige Verzehrmenge locker entnehmen.

Die Wurzeln sollten gut gewaschen, in Stücke geschnitten, schnell getrocknet und luftdicht verschlossen kühl und dunkel aufbewahrt werden.

Zu Beginn wurden vor allem die Wurzeln von Liebstöckel verwendet. Man hat diese getrocknet und dann zu Pulver zermahlen. Davon wurden zur inneren Anwendung 1 – 2 Messerspitzen vom Pulver eingenommen.

 

Eigenschaften und Wirkung

Liebstöckel wirkt anregend, blutstillend, harntreibend, krampflösend, schleimlösend, schweitreibend, Menstruationsfördernd und findet Anwendung bei Blasenentzündung, Blasensteinen, Nierenleiden, Nierensteinen, Blähungen, Magenbeschwerden, Magensäuremangel, Appetitlosigkeit und Abmagerung, Verdauungsprobleme, Verstopfung, StoffwechselanregendWassersucht, Rheuma, Gicht, Ödeme, Menstruationskrämpfen, Mittelohrentzündungen, Hals-, Kehlkopf- und Mundschleimhautentzündungen, Bronchitis, Husten, Herzschwäche, Wassersucht, Nervenschwäche, Nervosität, Ekzeme, Furunkel und eitrigen Wunden

In der Frauenheilkunde wird Liebstöckel wegen seiner entkrampfenden und menstruationsfördernden Wirkung sowie Migräne empfohlen. Nicht in der Schwangerschaft verwenden, da es zu einem vorzeitigen Abbruch kommen kann.

Verwendung in der Küche

Liebstöckelblätter sind in ihrer Würzkraft sehr stark und sollten daher eher sparksam verwendet werden.

Geben Sie Liebstöckelblätter zu Braten, Ragouts, Soßen, Suppen, in Salate und zu Gemüse als Würze.

Verwendung als Heilmittel

Liebstöckel kann innerlich als Tee (Standardaufguss), Pulver und Gewürz verwendet werden.

Äußerlich wird Liebstöckel für Umschläge, Wickel, Waschsungen, Auflagen und als Badezusatz verwendet. 

Warnhinweis

Liebstöckel sollte nicht bei akuter Nierenentzüpndung oder eingeschränkter Herztätigkeit verwendet werden.

In der Schwangerschaft sollte Liebstöckel wegen der wehenförderenden und geburtserleichternden Wirkung nicht verwendet werden.

Kräuter als Tee

So vielfältig wie die Kräuter ist auch deren Zubereitung als Tee. Nicht jedes Kraut sollte auf die eine ganz bestimmte Art zubereitet werden. Sollten Sie sich selbst eine Kräuter-Tee-Mischung ansetzten, achten Sie bitte darauf, dass Sie nur Kräuter verwenden, die die gleiche Zubereitungsart haben.

Unterstützen können Sie die Heilwirkungen der Kräuter-Tees noch durch Heilstein-Wasser. Lesen Sie dazu unter Lithotherapie nach Hildegard von Bingen.

Als Grundrezept sind die Mengen für 1 Tasse angegeben.

Standardaufguss

1 Teelöffel Kraut auf eine Tasse  – mit kochedenem Wasser übergießen und ca. 10 Minuten ziehen lassen. Dann abseihen.

 

Aufguss durch Abkochen

Die Kräuter werden direkt im kalten Wasser angesetzt und zugedeckt ca. 3 – 15 aufgekocht werden. Nach dieser Abkochzeit sollten die Kräuter abgegossen werden.

 

Aufguss als Kaltgetränk

Die Kräuter werden kalt bis maximal laufwarm angesetzt und mindestens für 8 Stunden – besser über Nacht – zum Ziehen abgedeckt stehen gelassen. So angesetzt können die Kräuter als Getränk, Badezusatz,Wickel, Kompressen und Umschlägen verwendet werden. 

Gurgellösungen

Für Gurgellösungen wird ein entsprechender Tee zubereitet, der dann so lange abgekühlt wird, bis Sie ihn zum Gurgeln verwenden können.

Heilkraut – Unkraut – Wildkraut

Was macht den Unterschied?

Wer sich mit Pflanzen beschäftigt und vielleicht sogar einen kleinen Garten bewirtschaftet, der kann sicher ein Lied über das liebe Unkraut anstimmen. Doch was genau ist Unkraut eigentlich. Laut Wikipedia ist im allgemeinen Sprachgebrauch  das Hauptkriterium, um eine Pflanze als Unkraut zu bezeichnen, dass sie unerwünscht ist. Je nach Sicht des Betroffenen kann ein bereits eingetretener, zu befürchtender wirtschaftlicher Schaden infolge Konkurrenz oder ein ästhetischer Grund der Auslöser für das Störungsempfinden sein. Es gibt also keine klare Titulierung – es ist ein unerwünschtsein. Wir Menschen bestimmen also, ob es sich bei dem ganz bestimmten Kraut um ein Unkraut oder Wildkraut handelt. Als Wildkraut wird ein Kraut bezeichent, wenn es – im Gegensatz zu kultivierten Pflanzen –  wild wächst. Ein Wildkraut kann demnach in unserem Störungs-empfinden auch ein Unkraut sein. Die beiden Begriffe Unkraut und Wildkraut werden oft sinngemäß verwendet. 

Wildkräuter (ich mag den Begriff Unkraut nicht so sehr) haben in vieler Hinsicht eine positive Eigenschaft. Nicht nur dass sie für andere Pflanzen Sonnenschutz bieten, für Bienen und anderes Getier deren Nahrungskette ergänzen, sind sie auch eine wichtige Gen-Sammelstelle für späteren Verbrauch. Früher waren auch Feldsalat, Roggen und Rüben Unkräuter genauso wie Kamille, Spitzwegerich und die allseits beliebte Brennnessel. Wildkräuter sind wichtig, um das biologische Gleichgewicht zu erhalten. Leider hat der Mensch in den letzten Jahrzehnten viele Wildkräuter durch Unkrautvernichtung teilweise sogar ausgerottet und dadurch auch viele Kleinst- und Kleintiere. 

 

Wildkräuter und der Mensch

Da Wildkräuter von Menschen eher stiefmütterlich behandelt wurden (sofern die Kräuter nicht mit Unkrautvernichtungsmittel entfernt wurden), enthalten diese noch ihre urwüchsigen Vitalstoffe, die sie als reine Energie und Gesundheitsspender an den weitergeben, der sich damit ernährt. Wildkräuter kommen auch in ihrem Wachstum ohne den Menschen sehr gut zurecht. Sie sind widerstandsfähig, kommen gut mit Trockenheit zurecht und ertragen auch mal schlechte Bodenbeschaffenheit. Durch Kultivierung würden Wildkräuter viel Wasser einlagern, wodurch die Qualtiät der Nährstoffe leidet.

Haben Sie schon mal ein Gänseblümchen im Salat oder als Brotbelag? Nein? Dann wird es Zeit. Gänseblümchen haben ungefähr den dreifachen Kaliumgehalt als grüner Feldsalat, fünfmal mehr Calcium, dreimal mehr magnesium und etwa die zweieinhalbfache Eisenmenge im Vergleich zum Kopfsalat. Und dabei ist das Gänseblümchen – was den Vitalstoffreichtum betrifft – eher im breiten Mittelfeld. Bitte achten Sie darauf, wenn Sie jetzt einen Versuch starten wollen, dass Sie nur Gänseblümchen ernten, bei denen Sie genau wissen, dass sie nicht mit Umweltgiften und Kot in Berührung gekommen sind.

Wildkräuter und die Wissenschaft

Wildkräuter schmecken viel aromatischer als Kultursalate, haben einen sehr viel höheren Vitalstoff- und Mineralstoffgehalt und enthalten mehr bioaktive Pflanzenstoffe. Und genau diese bioaktiven Pflanzenstoffe hat die Wissenschaft mehr in den Fokus gerückt und nicht selten entdeckt sie dabei, dass diese Pflanzensubstanzen vielen Krankheiten den Garaus machen können.

Die Kategorien der Kräuter

Kräuter werden je nach Wikrungsweise und Einsatz der Inhaltsstoffe untergliedert:
  • Duftkraut – in dieser Katergorie finden wir stark durftende Kräuter wie Basilikum, Fenchel, Pfefferminze, Salbei und Zitronenmelisse
  • Giftkraut – giftige Kräuter, die für die Gesundheit schädliche Pflanzengifte enthalten
  • Gewürzkraut – Borretsch, Dill, Liebstöckel, Petersilie, Rosmarin, Schnittlauf und Thymian
  • Heilkräuter – Kräuter mit heilender Wirkung wie z. B. fiebersenkende und schleimlösende Wirkung, zur Reduzierung von Wasseransammlungen im Gewebe, Ausgleichend bei Wechseljahresbeschwerden, Immunsystemstärkend, usw.
  • Salatkraut – Basilikm, Fenchel, Melisse, Petersilie, Koriander, Salbei, Schnittlauch, Thymian etc.
  • Teekraut – Brennnessel, Ingwer, Kamille, Melisse, Anis, Arnika, für die Zubereitung als Tee. Teekräuter können weiter unterteilt werden in Blättertees, Blütentees, Früchtetees, Rindentees und Wureltees.
  • Unkraut – Wildkraut – Beifuß, Brennessel, Ampfer, Brunnenkresse, Gartenkresse, Löwenzahn, Spitzwegerich
  • Zierkraut – Basilium, Fenchel, Ingwer-Minze, Kerbel, Majoran, Petersilie, Salbei, Thymian

Welche Pflanzen können als Kräuterpflanzen verwendet werden?

Bäume

Von den Bäumen können Blätter, Blüten, Beeren und Fürchte oder sogar die Rinde Verwendung finden:

  • Laubbäume – z.B. die Rinde der Eiche oder Weide oder die Blüten der Linden, oder die Blätter und Früchte des Lorbeerbaumes
  • Nadelbäume und Koniferen – z.B. Wacholder-Beeren
  • Obstbäume – Früchte
Blumen

Bei den Blumen finden Blätter, Blüten oder das Kraut Verwendung:

  • Balkonblumen – z.B. Veilchen oder Kapuzienerkresse
  • Rabattenblumen – z.B. Schafgarbe
  • Schnittblumen – z.B. Margerite, Ringeblume
  • Sommerblumen – z.b. Tages minuta oder Tagetes lucida als Tee oder Gewürz
  • Wildblumen – z.B. Gänseblümchen, Johanniskraut, Löwenzahn,
Gemüse

Beim Gemüse werden sowohl die Blätter, das Kraut oder die Knolle bzw. Wurzeln verwendet:

  • Lauchgemüse – Bärlauch, Schnittlauch
  • Knollengemüse – Fenchel, Ingwer
  • Wildgemüse – Brunnenkresse, Spitzwegerich
Sträucher

Von Sträuchern können Blätter, Früchte, Blüten und die Rinde verwendet werden:

  • Blütensträucher – Holunder
  • Durftsträucher – Lavendel
  • Kleinsträucher – Weiden
  • Obststräucher – Heidelbeere, Holunder
  • Wildsträucher – Faulbaum
  • Zwergsträucher – Preiselbeere, Blaubeere